



Mythen vom/im Fluss – Aura in Geschichte und Geschichten
Sarah Maria Teresa Goeth
Der Fluss Aurajoki im Südwesten Finnlands entspringt in der Gegend von Oripää und mündet in der Stadt Turku ins Meer. Seine Bedeutung verdankt er vor allem dieser Mündungsstadt, die früher unter dem schwedischen Namen Åbo bekannt war.
[…] Während der Name Åbo/Turku bereits eindeutig auf eine „Siedlung am Fluss“
verweist, gibt der Name des Flusses selbst – „Aura“ (wobei das Suffix -joki schlicht „Fluss“ bedeutet) – bis heute Rätsel auf. Wortgeschichtlich lässt sich nach W.P. Schmid feststellen, dass der Begriff „Aura“ „aufgrund seiner sprachlichen Struktur nach als auch hinsichtlich seiner geographischen Verbreitung als ein sicherer Vertreter der alteuropäischen Hydronomie betrachtet werden darf.“ Demnach wäre im Begriff „Aura“ bereits die Bedeutung „Wasser“ enthalten, sodass der Name „Aurajoki“ gewissermaßen
eine nähere Bestimmung des Flusses darstellt. Verstärkt wird diese Annahme auch durch den ältesten Beleg für die Namenserwähnung. Nach dem russischen Rachefeldzug gegen Finnland für die zuvor erlittenen Verwüstungen seitens Finnland im Jahr 1318 wird in einer russischen Urkunde erstmals von „Aura-ån“ (Aura Fluss) als „Polnaja-reka“ (breiter Fluss) geschrieben. Auch hier scheint „Aura“ als hydronymischer Begriff den
Fluss näher zu charakterisieren.
Daneben wurde der Name jedoch immer wieder mit anderen Bedeutungen verknüpft und in zahlreiche Erzählungen eingebettet. Im Finnischen bedeutet „aura“ auch „Pflug“. Eine weit verbreitete Geschichte, die uns Olli Lammäla, ein Bewohner von Oripää, bei unserem Besuch der Quelle erzählte, berichtet,
dass Ochsen aus einem Stall ausbrachen und mit einem noch angehängten Pflug eine sotiefe Furche in die Erde zogen, dass daraus das Flussbett des Aurajoki entstand.
